LEITFADEN
Wie man ein Krypto-Whitepaper liest – und was man überspringen kann
Die meisten Whitepaper sind Marketing mit Formeln. Vier Abschnitte verraten fast alles; der Rest ist meist nur Dekoration.
Kurzantwort
Lesen Sie die Token-Verteilung, die Problemstellung, die Vertrauensannahmen und den Abschnitt zum Team. Überspringen Sie die Marktgrößen-Prognosen und die Roadmap – beides ist letztlich Marketing.
Ein Whitepaper ist ein Genre mit eigenen Konventionen, und zu wissen, welche Teile wirklich Informationen enthalten, spart eine Menge Zeit.
Lesen: die Verteilung
Wer bekommt was und wann. Das ist mit Abstand die aufschlussreichste Seite – und oft die am wenigsten prominente. Große Insider-Zuteilungen mit kurzem Vesting sind ein struktureller Verkäufer. Gibt es überhaupt keine Verteilungstabelle, ist das selbst schon die Antwort – siehe unsere Checkliste für Coin-Launches.
Lesen: die Problemstellung
Welches Problem wird gelöst, und erfordert die Lösung wirklich einen neuen Token? Nur selten. Ein Projekt, das problemlos als Anwendung auf einer bestehenden Chain funktionieren würde, aber trotzdem ein eigenes Asset ausgegeben hat, hat damit bereits verraten, wozu das Asset eigentlich dient.
Lesen: die Vertrauensannahmen
Wer kann die Verträge aktualisieren, wer hält die Schlüssel, was passiert, wenn das Team die Arbeit einstellt. Gute Projekte legen das klar dar. Projekte, die es verstecken, haben dafür meist einen Grund.
Lesen: das Team
Namentlich genannte Personen mit überprüfbarer Vorgeschichte, oder Anonymität mit einem genannten Grund. Anonymität allein disqualifiziert nicht – viel angesehene Arbeit ist pseudonym entstanden –, aber in Kombination mit einer großen Insider-Zuteilung ist das eine schlechte Mischung.
Überspringen: die Marktgröße
Jedes Whitepaper behauptet, einen adressierbaren Markt im Wert vieler Billionen Dollar zu bedienen. Die Zahl wird bewusst groß gewählt und enthält keinerlei Information über das jeweilige Projekt.
Überspringen: die Roadmap
Roadmaps sind Wünsche mit Datum. Schauen Sie stattdessen, was tatsächlich bereits umgesetzt wurde – eine Frage, die das Code-Repository besser beantwortet als das Dokument.
Weiterführende Artikel
- Wie man einen neuen Coin-Launch in fünfzehn Minuten bewertet — Eine kurze Checkliste für neue Token: Angebot und Unlocks, wer finanziert ist, was das Projekt leistet, das eine bestehende
- Was die Marktkapitalisierung einer Kryptowährung nicht verrät — Die Marktkapitalisierung ist der Preis multipliziert mit dem Angebot. Keine der beiden Größen ist so solide, wie sie aussieht, und das Produkt
- Stablecoins erklärt: Was wirklich hinter ihnen steht – und was passiert, wenn es das nicht tut — Fiat-gedeckte, krypto-besicherte und algorithmische Stablecoins scheitern auf völlig unterschiedliche Weise. Der Mechanismus ist das Risiko.
Die wichtigsten Punkte
- Die Verteilungstabelle ist die aufschlussreichste Seite.
- Eine Problemstellung, die den Token wirklich braucht, ist selten und aussagekräftig.
- Roadmaps und Marktgrößen-Angaben enthalten keine Information.
Risikohinweis
Kryptowährungspreise sind volatil, und Sie können den vollen Wert einer Position verlieren. Nichts hier ist eine Kurs-Prognose oder eine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlung. Recherchieren Sie eigenständig.
Häufig gestellte Fragen
Bedeutet ein technisches Whitepaper, dass das Projekt seriös ist?
Nein. Technische Dichte lässt sich leicht erzeugen und wird manchmal genutzt, um genaue Prüfung zu entmutigen. Entscheidend ist, ob der Mechanismus klar erklärt wird.
Was, wenn es gar kein Whitepaper gibt?
Bei einem Projekt, das Sie zum Halten seines Tokens auffordert, ist das eine bedeutsame Lücke.